Zehn Jahre nach 2015/2016: Lohne blickt auf die Flüchtlingskrise zurück

08.04.2026
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Runder Tisch und Stadt zur Entwicklungseit 2015

Flucht und Migration sind auch heute ein aktuelles Thema – etwa mit Blick auf den Krieg in der Ukraine oder die Entwicklungen im Nahen Osten. Zehn Jahre nach der großen Fluchtbewegung von 2015/2016 blickt Lohne auf die damaligen Erfahrungen zurück. Anlass ist eine öffentliche Veranstaltung am Sonntag (19. April) im Industrie Museum Lohne.

Als 2015 und 2016 zahlreiche Geflüchtete nach Deutschland kamen, stand auch Lohne vor einer großen Herausforderung. Innerhalb kurzer Zeit erreichten rund 800 bis 900 Menschen die Stadt. Die Situation erforderte schnelles Handeln – sowohl in der Verwaltung als auch im ehrenamtlichen Bereich.

Die Stadt Lohne sorgte in dieser Phase vor allem für die notwendige Infrastruktur – und das schnell und entschlossen. Um kurzfristig Unterbringungsmöglichkeiten zu schaffen, wurden zunächst provisorische Lösungen genutzt, etwa leerstehende Gebäude oder Containeranlagen. Parallel dazu entstanden in kurzer Zeit weitere Unterkünfte im Stadtgebiet. In den folgenden Jahren wurden zusätzliche Wohnhäuser errichtet, um langfristige Lösungen zu schaffen. Einige dieser Gebäude werden bis heute genutzt und sind inzwischen fester Bestandteil der städtischen Wohninfrastruktur.

„In kurzer Zeit mussten viele organisatorische und infrastrukturelle Fragen geklärt werden – von der Unterbringung über die Anmeldung bis hin zu Schul- und Kitaplätzen“, sagt Lena Engelmann, Leiterin der Abteilung Integration der Stadt Lohne. Aus den Erfahrungen dieser Zeit seien in der Verwaltung neue Strukturen entstanden. Seit 2018 bündelt die Abteilung Integration im Amt für Familie und Soziales verschiedene Angebote und Projekte rund um Migration und Integration.

Neben den organisatorischen Aufgaben der Stadt spielte das ehrenamtliche Engagement vieler Bürgerinnen und Bürger eine wichtige Rolle beim Ankommen der Geflüchteten. Eine zentrale Plattform dafür war und ist der Runde Tisch für Integration und Völkerverständigung. Nach Angaben des Vereins engagierten sich damals rund 25 Ehrenamtliche in der Unterstützung Geflüchteter.

„Viele Menschen, die damals nach Lohne kamen, standen zunächst vor ganz praktischen Fragen des Alltags“, sagt Kerstin Sommer vom Runden Tisch. Ehrenamtliche hätten unter anderem bei Behördengängen begleitet, beim Übersetzen geholfen oder erste Kontakte vermittelt.

Aus dieser Unterstützung entstanden im Laufe der Zeit verschiedene Projekte und Initiativen. Dazu gehören das Hauspatenprojekt, Sportangebote wie FC Unlimited, das Sprachcamp der Vielfalt für Grundschulkinder sowie weitere Begegnungsformate wie Frauentreffen oder kulturelle Veranstaltungen.

„Unser Ziel war und ist es, Menschen miteinander ins Gespräch zu bringen und Orientierung im Alltag zu geben“, erklärt Ursula Große Holthaus vom Runden Tisch. Viele Kontakte aus der damaligen Zeit bestünden bis heute fort.

Wie viele der damals angekommenen Geflüchteten heute noch in Lohne leben, lässt sich nicht genau beziffern. Nach aktuellen Daten aus dem Bürgerbüro leben derzeit 1.131 Personen aus typischen Fluchtländern – darunter Afghanistan, Eritrea, Irak, Iran, Libanon, Libyen und Syrien – in der Stadt.

Zehn Jahre nach den Ereignissen zeigt sich, dass sich viele Strukturen aus dieser Zeit verstetigt haben. Gleichzeitig bleibt Integration eine dauerhafte Aufgabe für Verwaltung, Initiativen und Ehrenamtliche. Auch aus Sicht des Runden Tisches ist in Lohne ein neues Miteinander entstanden. „Wir sind zu einem neuen ‚Wir‘ zusammengewachsen, weil wir uns kennengelernt und schätzen gelernt haben“, heißt es aus dem Verein.

Zugleich wird betont, dass dieses Miteinander weiter gepflegt werden muss: „Dieses ‚Wir‘ bleibt eine Aufgabe – sowohl zwischen Zugewanderten und Einheimischen als auch innerhalb der vielfältigen Gruppen von Zugewanderten.“

Der Rückblick auf die vergangenen Jahre steht auch im Mittelpunkt einer Veranstaltung des Runden Tisches am Sonntag (19. April) um 15 Uhr im Industrie Museum Lohne. Unter dem Titel „10 Years After“ wird mit Bildern, Musik und Gesprächen auf die Entwicklungen seit 2015 zurückgeschaut. Interessierte sind dazu eingeladen.

Bildunterschrift

Blicken zurück: Der Leiter des Amtes für Familie und Soziales Sebastian Wolke, die Leiterin der Abteilung Integration Lena Engelmann sowie Kerstin Sommer und Ursula große Holthaus vom Runden Tisch für Integration und Völkerverständigung (von links).

Foto:
Christian Tombrägel, Stadt Lohne

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